Kampfeinsatz – Stell dir vor es ist Krieg und du gehst hin

Seit den Luftangriffen gegen serbische Stellungen im Kosovo 1999 kämpfen und sterben deutsche Männer und Frauen wieder in Kriegen: offiziell in Uniform der Bundeswehr und seit kurzem vermehrt auch als freiwillige Kämpfer in den asymmetrischen Kriegen im Nahen Osten und der Ukraine. Je nach religiöser Anschauung, ethnischer Zugehörigkeit oder einfach nur auf der postpubertären Suche nach dem „absoluten Kick“, erleben sie in rasender Geschwindigkeit den Zerfall aller moralischen und ethischen Standards einer modernen bürgerlichen Gesellschaft; konfrontiert mit Tod, Angst und permanenter Gewalt findet ein Prozess psychischer Verwandlung statt, der kein Individuum so zurückkehren lässt, wie es gegangen ist. Nicht wenige von ihnen leiden danach Zeit ihres Lebens unter dem, was Psychologen als „Posttraumatisches Belastungssyndrom“, kurz PTBS bezeichnen: das oft lebenslange Durchfluten des scheinbar wieder normalen Lebens durch die apokalyptischen Erlebnisse des Krieges. Die Theaterproduktion „Kampfeinsatz“ zeichnet auf der Grundlage von Interviews mit Einsatzrückkehrern der Bundeswehr und Traumatherapeuten, sowie Zeitungsberichten und Dokumentationen über Menschen, die aus Deutschland kommend an Kriegshandlungen aktiv teilgenommen und Gewalt in unterschiedlicher Form erlebt und/oder ausgeübt haben, die Lebenswege verschiedener fiktiver Figuren nach.

Dramaturgisch geklammert durch eine hippe TV-Talkshowmoderatorin werden ein schwer traumatisierter ehemaliger Bundeswehroffizier, ein turboradikalisierter Mann mit osteuropäischen Wurzeln und ein friedensbewegter Politiker mit Nebentätigkeit bei einem Nachrichtendienst in ein Beziehungsgeflecht gesetzt. Der Zuschauer wird ganz im Stil unserer Zeit nacheinander live „Zeuge“ des Scheiterns eines ersten Kampfeinsatzes, der Ehe des ehemaligen Soldaten und dessen Bemühungen um gesellschaftliche Rehabilitation; er erfährt, wie Kriegsversehrte ihre fehlenden Gliedmaßen zu Geld machen und welche faszinierenden Erkenntnisse ein Waffenlobbyist aus der Kenntnis zieht, dass der Feind oft Drogen konsumiert.

Danksagung

Wir bedanken uns für die sehr intensiven und offenen Gespräche bei Karl-Heinz Biesold, Uwe Heiland, Tina Mannfeld, Nina Schad und Robert Sedlatzek-Müller!

Außerdem möchten wir einen herzlichen Dank an den Fotografen Andreas Reiner aussprechen, der uns seine eindrücklichen und berührenden Afghanistan-Fotos für die Inzenierung zur Verfügung gestellt hat: http://sichtlichmensch.de/home.html